COUP

Biografie

Sie sind die größten Gangsta-Rapper ihrer Generation: der Offenbacher Haftbefehl und Xatar aus Bonn. Beide sind unbedingt authentisch, beide wissen, was es bedeutet, vor dem Gesetz zu fliehen und für ihre Taten zu büßen, beide leben längst von ihrer Musik und nicht mehr von kriminellen Umtrieben. Dennoch haben sie sich für einen letzten, spektakulären Auftrag zusammengetan: »Der Holland Job«.

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Haftbefehl: Gestern Gallus, heute Charts

 

Haftbefehl heißt bürgerlich Aykut Anhan und stammt aus Offenbach. Er ist kurdisch-türkischer Abstammung und geriet schon früh in die Fänge der Schattenwelt. Schon als junger Mann musste Anhan aus Deutschland fliehen, um einer drohenden Freiheitsstrafe zu entgehen. Er lebte zeitweilig in Istanbul, Amsterdam und Arnheim, bevor er nach Offenbach zurückkehrte, wo er fortan ein Wettbüro betrieb und parallel dazu erste musikalische Gehversuche unternahm.

 

2010 veröffentlichte Haftbefehl sein erstes Soloalbum »Azzlack Stereotyp« über das Underground-HipHop-Label Echte Musik. Mit seinem zweiten Album »Kanakis« schaffte er es zwei Jahre später in die Top 10 der deutschen Albumcharts, mit der Single »Chabos wissen wer der Babo ist« landete er noch ein Jahr später seinen bislang größten Hit, der sich acht Wochen in den Single-Charts hielt. »Babo« wurde von einer Jury zum Jugendwort des Jahres gewählt und Haftbefehl von bürgerlichen wie Szene-Medien für seinen kreativen Slang-Mix aus Deutsch, Türkisch, Kurdisch, Arabisch und slawischen Sprachen gefeiert.

 

2014 erschien mit »Russisch Roulette« sein erstes Album über eine Major-Plattenfirma, im letzten Jahr folgte das kontroverse Mixtape »Unzensiert«. Gegen den Straßenrap-Vorreiter Sido trat er im selben Jahr auf einem Soundclash in Essen vor mehr als 5.000 Zuschauern an. Wenn Haftbefehl seine Geschichten von der Straße zum Besten gibt, dann glaubt man ihm jedes Wort: Ein Zwei-Meter-Hüne mit hessischem Akzent, überbordendem Charisma und Angriffslust in der charakteristisch hohen Stimme. Und wer an Haftbefehls tatsächlichen Verbindungen in die Frankfurter Unterwelt zweifelt, der sei nur an ein mittlerweile gelöschtes Video aus der »Halt die Fresse«-Reihe von Aggro TV erinnert, in dem einer seiner Kollegen eine Panzerfaust auf der Schulter trug. Andere Rapper kommen mit Messern und Gaspistolen, Haftbefehl mit der Panzerfaust – eine treffende Metapher für die Durchschlagkraft seines Rap-Stils.

 

Xatar: Baba aller Babas im Land

 

Giwar »Xatar« Hajabi hat studiert und spricht sechs Sprachen, ist jedoch auch ein verurteilter Gangster, der mehrere Jahre für einen Raub im Gefängnis saß. Mit fünf Komplizen soll er einen Goldtransporter überfallen und Edelmetall im Wert von 1,7 Millionen Euro erbeutet haben. Von der Beute fehlt bis heute jede Spur. Fünfeinhalb der acht Jahre, zu denen Xatar verurteilt wurde, saß er ab. Aus dem Gefängnis heraus veröffentlichte er ein Album und wurde zur Kultfigur.

 

Hajabis Geschichte reicht zurück in den Iran, wo er geboren wurde. Seine kurdische Familie flüchtete während des Ersten Golfkriegs über den Irak nach Frankreich und weiter nach Deutschland. Als Giwar fünf Jahre alt war, landeten sie in einem Asylbewerberheim am Brüser Berg, einem verrufenen Hochhausviertel am Bonner Stadtrand. Die Eltern trennten sich. Als ältestes männliches Mitglied der Familie verspürte Giwar den Druck, für Wohlstand zu sorgen. Er sah, wie die Älteren am Block krumme Geschäfte machten und scheinbar Erfolg hatten. Giwar wollte mitspielen. Mit 14 Jahren kam er zum ersten Mal in den Jugendarrest.

 

Zehn Jahre später lag gegen Giwar ein Haftbefehl wegen Verdachts auf organisierten Drogenhandel vor. Nach zwei Jahren im Londoner Exil kehrte er 2007 zurück. Parallel zu seiner kriminellen Karriere hatte er HipHop für sich entdeckt. Unter dem Namen Xatar schrieb er Rap-Texte, gründete seine eigene Plattenfirma mit dem bezeichnenden Namen Alles Oder Nix (AON) und veröffentlichte 2008 sein gleichnamiges Debütalbum. Eines der Musikvideos drehte er im Oberlandesgericht Köln, auch sein damaliger Strafverteidiger spielte im Video mit.

 

Im Dezember 2009 geschah jener Überfall, der Xatar für die nächsten Jahre ins Gefängnis bringen sollte. Das Gericht sah es später als erwiesen an, dass er und seine Mittäter auf der Autobahn bei Ludwigsburg einen Goldtransporter angehalten, sich als Polizisten ausgegeben und die Fahrer in Handschellen gelegt hatten und mit der Ladung verschwunden waren. Xatar flüchtete über Russland, wo er Verwandte hatte, in den Irak, während sein Anwalt mit den deutschen Behörden verhandelte. Im Irak wurde er vom Geheimdienst gefoltert, weil man ihm das Gold abluchsen wollte. Als er nach drei Monaten schließlich ausgeliefert wurde, machte man ihm in Deutschland den Prozess und verurteilte ihn zu acht Jahren Gefängnis.

 

Heute ist Xatar einer der erfolgreichsten Gangsta-Rapper Deutschlands. Er führt weiterhin sein AON-Label und hat mit SSIO oder Schwesta Ewa weitere erfolgreiche Künstler unter Vertrag. Seine aufregende Lebensgeschichte lässt sich in dem Spiegel-Besteller »Alles oder Nix: Bei uns sagt man, die Welt gehört dir« nachlesen. Xatars drittes Album »Baba aller Babas«, das er nach seiner Freilassung 2015 veröffentlichte, ging direkt von Null auf Platz 1 der deutschen Albumcharts.

 

Der Holland Job

 

Dass Haftbefehl und Xatar, die übrigens beide kurdischer Abstammung sind, sich gut verstehen, davon zeugten bereits gemeinsame Songs wie »Gute Nacht« und der Gastauftritt von Xatar in Haftbefehls Soundclash-Auftritt. Vor einigen Wochen waren Haftbefehl und Xatar in der ProSieben-Sendung »Studio Amani« zu Gast und stürmten wortlos aus dem TV-Studio, nachdem sie mehrfach vor laufender Kamera auf ihr Handy geschaut hatten. Sie tauchten in der Folge medial ab und löschten sogar ihre Social-Media-Präsenzen, nur um kurz darauf auf mysteriösen Überwachungskameravideos im Internet wieder aufzutauchen. Die Deutschrap-Fangemeinde wusste schnell: Hier steht ein gemeinsames Projekt ins Haus. »Der Holland Job« wurde musikalisch wesentlich von den Produzenten Bazzazian und Farhot dirigiert, außerdem produzierten Tai Jason, Brenk Sinatra, REAF, Choukri, Baibu und ENGINEARZ.

 

Doch, nur ein gemeinsames Album zu machen, käme aber für Kaliber wie Haftbefehl und Xatar nicht in Frage. Für Coup wollte man einen eigenen Film fahren. Deswegen wurde kurzerhand ein Film gedreht. Das Album »Der Holland Job« wird also begleitet von dem Kurz-Film »Der Holland Job«. Wie im Leben von Haftbefehl und Xatar verbinden sich in »Der Holland Job« Realität und Fiktion zu einem beeindruckenden Gesamtkunstwerk von zwei Gangsta-Rapper, die sowohl das Wettbüro und den Teesalon als auch die Feuilleton-Redaktion und den Uni-Hörsaal hinter sich wissen. »Der Holland Job« ist der Blockbuster, der im Sommer 2016 das wichtigste Gesprächsthema sein.

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Diskografie

Der Holland Job 2016

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